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Traditionell wird das Zuckerrohr geerntet, indem es mit einer Machete dicht über dem Boden abgeschnitten wird. Heute setzen viele Unternehmen spezielle Erntemaschinen ein. Eine Zuckerrohrpflanze kann mehrmals beerntet werden, da die Wurzeln immer wieder austreiben.

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Anwendung in der traditionellen Medizin

Brauner Zucker in traditionellen Medizinsystemen

Von alters her werden dem Zuckerrohr, dem Zuckerrohrsaft sowie dem daraus gewonnenen nicht oder wenig raffinierten Zucker in traditionellen Medizinsystemen Heilkräfte zugeschrieben.

Die Geschmacksrichtung süß hat in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) eine wärmende und tonisierende Wirkung (11). Das süße Zuckerrohr, "ganzhe", und sein Saft sind gemäß diesem System kühlend und befeuchtend, aber durch das Erhitzen und Eindicken verändert der Saft seine Qualität, sodass der entstehende braune und weiße Zucker schließlich wärmend wirken (1). Hongtang, weicher brauner Zucker mit etwas Sirup (3), wurde unter anderem zur Schmerzlinderung eingesetzt (1). Heitang, schwarzer Zucker, entsprach nach Needham dem Jaggery und war ein Sirup mit kleinen Kristallen (3). In China wurden frühzeitig die ungünstigen Wirkungen des Zuckers auf die Gesundheit erkannt. Bereits 704 n.Chr. wird vor dem schädlichen Einfluss auf die Zähne gewarnt (1). Ein Übermaß an Süße kann außerdem zu Schleimbildung führen (12).

In dem indischen Medizinsystem Ayurveda wird Zuckerrohr traditionell als Heilmittel verwendet (5). Es wird als süß und kühlend angesehen, mit gewissen Unterschieden bei den zwölf verschiedenen Species (7), die in der Sushruta Samhita (6), ca. 350 n.Chr., aufgeführt werden. Die verschiedenen Zuckerrohrarten beeinflussen die Doshas (die drei Lebensenergien im Menschen), indem sie diese in unterschiedlicher Weise erzeugen oder dämpfen und damit wieder ins Gleichgewicht bringen.  Es wird differenziert, ob der Zuckerrohrsaft roh, gepresst oder eingekocht gegessen wird. Eingedickter Zuckerrohrsaft erzeugt Schleim (7). Aufgrund der genannten Wirkungen wird er unter anderem bei Müdigkeit, Durst, Darm- und Lungenproblemen sowie Anämie eingesetzt (5).  Schon in der Sushruta Samhita wird beobachtet, dass Sirup und Zucker mit zunehmender Raffinierung ihre alkalischen Eigenschaften, d.h. ihre Mineralstoffe, verlieren. Auch Wein aus Zuckerrohrsaft und fermentierte Zubereitungen werden als Heilmittel verwendet. Zudem ist Zucker Bestandteil vieler Arzneimischungen (7). Dabei dient er sowohl als Wirkstoff, als auch als Trägersubstanz und als Geschmacksverbesserer.

In der japanischen Volksheilkunde wird brauner Zucker bei Hautproblemen eingesetzt (10).

Pedanios Dioscurides aus Anazarba, der berühmte griechische Arzt zur Zeit der Kaiser Claudius und Nero, führt in seiner Arzneimittellehre den „Honig aus Zuckerrohr“ auf. Er vergleicht ihn in seiner Beschaffenheit mit dem Salz und schreibt ihm eine wohltuende Wirkung auf Bauch und Magen zu. Des Weiteren helfe er bei Blasen- und Nierenproblemen und vertreibe, äußerlich angewandt, Verdunkelungen (Trübungen) der Pupille (8).

Von verschiedenen arabischen und persischen Ärzten wird die medizinische Anwendung von Zucker alleine und in Kombination mit anderen Arzneimitteln erwähnt. So wurde er gerne als Rosen-, Veilchen- oder Lavendelsirup verschrieben (9). Früher wurden die Heilmittel in verschiedenen Medizinsystemen nach den vier Grundprinzipien warm-kalt und trocken-feucht eingeteilt, so auch in der alten arabischen Medizin. Verschiedene Zuckersorten besaßen diese Qualitäten in unterschiedlichem Maße und wurden entsprechend eingesetzt, um die Temperatur und die Feuchtigkeit anderer Arzneimittel auszugleichen. Deshalb setzte der persische Arzt Razi (850-923) den kühlenden und befeuchtenden Zucker bei Fieber und Durst ein (9).

Ob ein Zucker trocknet oder befeuchtet, hängt sicher vom Raffinierungsgrad ab. Je mehr Feuchtigkeit und je mehr Mineralstoffe dem Zucker entzogen werden, desto wärmer und trockener wird er. Ali-ben-Abbas empfahl Zucker als Nahrungsmittel für Neugeborene (9). Im Gegensatz zu den Chinesen glaubte man nicht, dass Zucker schaden könne, ja man fügte ihn sogar einem Zahnheilmittel hinzu (9).



(1) U. Engelhardt, C.-H. Hempen
Chinesische Diätetik

Urban & Schwarzenberg, 1997




(2) Manfred Porkert
Klinische Chinesische Pharmakologie

Verlag für Medizin Dr. Ewald Fischer, 1978




(3) Joseph Needham, Nicholas K. Menzies, Christian Daniels
Science and civilisation in China; Agro-Industries: Sugar cane technology

Band 6, Teil 3; Cambridge University Press. 1996, 2001.

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(4) P.V.K Jagannadha Rao, Madhusweta Das & SK Das
Jaggery – A Traditional Indian Sweetener

Indian Journal of Traditional Knowledge, Vol 6 (1), January 2007, pp. 95-102




(5) Karthikeyan, J and S. Sankar Samipillai
Sugarcane in therapeutics

Journal of Herbal Medicine and Toxicology 4 (1) 9-14 (2010)

Link (PDF)


(6) Wikipedia
Sushruta Samhita
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(7) Kaviraj Kunja Lal Bhishagratna
Sushruta Samhita, englische Übersetzung
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(8) Pedanios Dioscurides von Anazarbos
Arzneimittellehre, Buch II, Kap 104

Heilpflanzen-Welt Bibliothek, online

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(9) Edmund Oskar von Lippmann
Geschichte des Zuckers, seiner Darstellung und Verwendung, seit den ältesten Zeiten bis zum Beginne der Rübenzuckerfabrikation : ein Beitrag zur Kulturgeschichte

Leipzig : Hesse, 1890

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(10) Maho Sumiyoshi, Teruaki Hayashi, Yoshiyuki Kimura.
Effects of the nonsugar fraction of brown sugar on chronic ultraviolet B irradiation-induced photoaging in melanin-possessing hairless mice.

Journal of Natural Medicines, Vol. 63 (2008), No. 2, pp.130-136

Link (PDF)


(11) Bob Flaws, H. Lee Wolfe
Das Handbuch der chinesischen Ernährungslehre

O.W. Barth Verlag 1998




(12) Giovanni Maciocia
Die Grundlagen der chinesischen Medizin

Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH 2008, S. 281

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